Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie

Forschung

Translationsforschung in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie

Der Forschungsschwerpunkt unserer Abteilung liegt in der Verbesserung der psychischen Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen durch Translationsforschung. Unsere Projekte zielen darauf ab, Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung zu Entstehungs- und Wirkmechanismen psychischer Krankheiten in psychotherapeutische Interventionen zu übersetzen. In der ersten Phase entwickeln wir auf der Basis neuropsychologischer Mechanismen Konzepte für kognitive und behaviorale Interventionen, um eine Veränderung dysfunktionaler Prozesse zu beeinflussen. In Phase 2 überprüfen wir die Konzepte und erwarteten Wirkmechanismen (Proof-of-Concept Studien). Im Anschluss werden die Interventionen in randomisiert-kontrollierten Studien unter streng kontrollierten Studienbedingungen (Efficacy-Studien) untersucht (Phase 3). In Phase 4 wird die Translation unter Realbedingungen in der Prävention, Frühintervention und ambulanten Psychotherapie und Therapie unter Realbedingungen untersucht (Effectiveness-Studien).

Ausgewählte Störungsbilder

Wir beschäftigen uns überwiegend mit dem Störungsbild der Gaming Disorder und ihren komorbiden Störungen, d.h., Depressionen, ADHS, Ängsten, Störung des Sozialverhaltens und substanzgebundenen Störungen des Kindes- und Jugendalters.

Erforschung neuer Interventionsmethoden

Unser Methodenspektrum basiert einerseits auf der Weiterentwicklung und Anpassung kognitiv-behavioraler Techniken für neue Störungsbilder und bestehende Störungsbilder, bei denen bisherige Interventionen bisher unzureichende Wirkung zeigen. Darüber hinaus entwickeln wir neue Therapiemethoden auf der Basis experimentell-psychologischer Forschung, um besonders starre Verhaltensweisen und Einstellungen, bei denen bisherige Therapieinterventionen unzureichend wirken, zu modifizieren. Dazu zählen beispielsweise die Verhaltenssubstitution, die dissonanzinduzierte Verhaltensaktivierung oder die App-gestützte, experimentelle Modifikation dysfunktionaler Überzeugungen.


Verhaltenssubstitution:
Neurobiologische Befunde belegen die Entstehung habitueller Verhaltensweisen durch eine Imbalance von Verlangen („Craving“) und einer verminderten Inhibitionskontrolle.  Es wird auch von einer Imbalance zwischen Verhaltensflexibilität und Emotionsregulation gesprochen. Durch das exzessive Verhalten ist ein Shift von Belohnung (in frühen Stadien) hin zu Kompensation (in späten Stadien) zu beobachten. Neurobiologisch besteht in frühen Stadien eine Imbalance zwischen ventralem Striatum, Amygdala und dorsolateralen präfrontalen Regionen, während in späten Stadien des Verhaltenssuchtprozesses das dorsale Striatum verändert ist. Die veränderten Regulationsmechanismen der Neurotransmittersysteme (insbesondere Dopamin, Serotonin und GABA) finden sich sowohl bei substanzgebundenen Süchten als auch bei Verhaltenssüchten. Die Substitutionstherapie ist eine erfolgreiche Therapiemethode bei substanzgebundenen Süchten. Wir untersuchen aktuell, ob eine Verhaltenssubstitution bei Verhaltenssüchten zu ähnlichen Wirkmechanismen führt.

Dissonanzinduzierte Verhaltensaktivierung:
Die Veränderung starrer Verhaltensweisen und Einstellungen zählen zu den größten Herausforderungen in der Psychotherapie. Experimentell-sozialpsychologische Befunde zur Kognitiven Dissonanztheorie zeigen seit den 1970-er Jahren, dass gezielte Dissonanzinduktion selbst starre Einstellungen und Verhaltensweisen modifizieren können. In verschiedenen Projekten zur Gaming Disorder und Depression integrieren wir deshalb Dissonanzinduktion ergänzend zur kognitiven-Verhaltenstherapie.  

Experimentelle Modifikation von Überzeugungen:
Auch computergestützte, experimentelle Tasks, die nur wenige Minuten am Tag durchgeführt werden, können große Effekte auf die Einstellungsänderung erzielen. Ganz aktuell untersuchen wir eine App-gestützte Intervention im Rahmen der Psychotherapie bei Gaming Disorder, in der gezielt die Effekte einer Approach-Avoidance-Task auf die Einstellungsänderung (Beliefs) und Kognitive Vereinnahmung (Preoccupation) untersucht werden.