Thin Slices

Die Unterrichtsforschung ist daran interessiert, die Bedeutung bestimmter Unterrichtsmerkmale (wie z.B. die strukturierte Klassenführung oder Unterstützung) für den Lernerfolg von Schülerinnen und Schülern zu untersuchen. Eine viel diskutierte Frage bezieht sich dabei auf die angemessene Erfassung solcher Unterrichtsmerkmale. Meist wird der Zugang zum Unterrichtsgeschehen über die Befragung von Lehrkräften und Schüler(inne)n einerseits und das Beurteilen von Unterrichtsvideos andererseits realisiert.  Während erstere verschiedenen Verzerrungen ausgesetzt sind und ihre Reliabilität und Validität daher infrage gestellt werden kann, stellen solche videogestützten Beobachterratings zwar einen zuverlässigen Zugang zum Unterrichtsgeschehen dar, sind aber häufig durch die zugrunde liegenden aufwendigen Kodierschemata mit einem enormen zeitlichen und personellen Aufwand verbunden.

Das Projekt „SLICES“ beschäftigt sich mit dem ersten Eindruck als einem möglichen Zugang zur alternativen Erfassung von Unterrichtsprozessen. Unter Anwendung der so genannten „Thin-Slices“- Technik (Ambady & Rosenthal) konnte in zahlreichen Studien die hohe prädiktive Validität erster Eindrücke hinsichtlich verschiedener psychologischer Konstrukte nachgewiesen werden. Ein Thin-Slice ist dabei definiert als ein Ausschnitt aus dem Verhaltensstrom einer anderen Person, der weniger als fünf Minuten lang ist und dynamische Information enthält. In der Regel werden kurze Videosequenzen verwendet, auf Grundlage derer Personen hinsichtlich überdauernder Verhaltenstendenzen und Persönlichkeitseigenschaften beurteilt werden. Das Anliegen unseres Forschungsvorhabens besteht darin, die Anwendbarkeit der Thin-Slices-Technik als ökonomische Erfassungsmethode von Unterrichtsprozessen im Rahmen von Large-Scale-Assessments zu explorieren. Geplant ist eine Reanalyse von Daten aus der TIMSS- und DESI-Studie und der dazugehörigen Unterrichtsvideos, wobei die Thin-Slices-Technik speziell am Beispiel des „Umgangs mit Fehlern“ als einem ausgewählten Unterrichtsmerkmal erprobt werden soll. Bei „SLICES“ handelt es sich um ein Kooperationsprojekt zwischen der Goethe-Universität Frankfurt (Projektleitung M. Kunter) und dem Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (Projektleitung E. Klieme & S. Kuger, DIPF). 

Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und ist ein Projekt des Frankfurter IDeA-Zentrums.

Projektmitarbeiter: Lukas Begrich

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